Was meint Dr. Wyss zur aktuellen Corona Krise?

01.04.2020

 


Die Notstands- Massnahmen haben uns allen erlaubt, zur Ruhe zu kommen, zu entschleunigen, uns auf die wahren Werte unseres Lebens, unsere Gesundheit, Beziehungen, Familie und Freundschaften, zu besinnen.  


Glücklicherweise blieb die Schweiz bisher von einem raschen Anstieg der Erkrankungs- und Todesfälle verschont, nicht zuletzt dank der vom Bundesrat verordneten Notstands- Massnahmen, der mehrheitlich guten Disziplin der Bevölkerung und des hervorragenden Zusammenspiels zwischen Politik, Behörden, Kantonen, Militär, Zivilschutz und Gesundheitswesen. Die "lockdown" Massnahmen werden zwar auf Jahre hinaus massive wirtschaftliche Folgen haben. Aber die Gesundheit der Bevölkerung und der Schutz der Risikogruppen haben oberste Priorität. Es wird auch weiterhin Aufgabe der Politik sein, vor allem den kleinen und mittleren selbständigen Betrieben, die das Rückgrat unserer Wirtschaft und Gesellschaft bilden, durch unbürokratische und mutige Massnahmen unter die Arme zu greifen, um ihr Überleben, und somit auch das unserer Gesellschaft, zu sichern. Es wird der vereinten Anstrengung aller bedürfen, um diese Krise zu meistern, und um unseren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlstand auch weiterhin zu sichern. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob, wie erwartet, die Anzahl Neuinfektionen zurückgeht, und ob das "worst case" szenario, ein rascher Anstieg der Erkrankungs- und Todesfälle, wie im benachbarten Ausland leider geschehen, bei uns ausbleiben wird. Ist dies der Fall, werden wir wahrscheinlich das Schlimmste überstanden haben, und über eine vorsichtige, schrittweise Lockerung der Notstands- Massnahmen nachdenken können. Ein Modell aus Österreich zeigt, wie ein solcher Übergang aussehen könnte: wird eine Rückkehr in den Arbeitsprozess eingeleitet, ohne gleichzeitig wieder die Schulen zu öffnen, sinkt, unter Beibehaltung der hygienischen Vorsichtsmassnahmen (Händedesinfektion, "social distancing") die Infektionsrate weiterhin kontinuierlich, parallel zu den "lockdown" Massnahmen. Werden die Schulen gleichzeitig wieder geöffnet, steigt die Infektionsrate sofort wieder. Also könnte ein Ansatz sein, ab Ende April/Anfang Mai die "lockdown" Massnahmen wieder vorsichtig zu lockern, die Schulen aber bis zu den Sommerferien geschlossen zu lassen (siehe Grafik). Oberstes Ziel muss bleiben, die Anzahl Neuinfektionen auch weiterhin unter Kontrolle zu behalten, und einen unkontrollierten Anstieg der Neuinfektionen mit Überlastung unseres Gesundheitssystems und einem daraus folgenden raschen Anstieg der Todesrate, wie leider in Italien, Frankreich und Spanien beobachtet, zu vermeiden.

Es geht darum, Zeit zu gewinnen, um eine schrittweise, kontrollierte Durchseuchung der Bevölkerung (Herdenimmunität) zu erreichen, und um wirksame Medikamente und eine Impfung gegen das Virus zu entwickeln. Bald verfügbare Antikörpertests werden uns helfen, den Grad der Immunität in der Bevölkerung festzustellen. Immune Personen werden sofort in den Arbeitsprozess zurückkehren können. Diese Krise ist gleichzeitig auch eine Chance für uns alle. Die Notstands- Massnahmen haben uns allen erlaubt, zur Ruhe zu kommen, zu entschleunigen, uns auf die wahren Werte unseres Lebens, unsere Gesundheit, Beziehungen, Familie und Freundschaften, zu besinnen. Die Natur ist zur Ruhe gekommen, die Wildtiere und Meerestiere kehren zurück, die Luftverschmutzung und Wasserverschmutzung erreichen Tiefstwerte. Es wird über gesellschaftliche und wirtschaftliche Neuordnungen nachgedacht (Beispiel bedingungsloses Grundeinkommen). Unser Umgang mit uns selber und unsern Nächsten, mit den Ressourcen unseres Planeten und seinen Mitbewohnern wird neu überdacht. Beispielsweise ist ein starker Anstieg des Interesses an gesunder Ernährung, vor allem an vegetarischer und veganer Ernährung zu beobachten. In den Supermärkten sind vegane Produkte oft ausverkauft. Falls wir uns erlauben, uns auf diese Veränderungen einzulassen, kann ein neues, verantwortungsbewussteres Denken zu positiven gesellschaftlichen Entwicklungen und zu einem Umdenken zum Wohle aller führen.