Unser Darm - Eine ökologische Nische wie in einem Regenwald

29.07.2020

Unser Darm ist nicht nur ein Verdauungsorgan, sondern auch ein Lebensraum. Insbesondere der Dickdarm beherbergt Billionen von Bakterien zu Hunderten verschiedenen Arten. Zahlenmässig gesehen haben wir mehr Bakterien in uns als eigene Körperzellen - Wir sind also Viele!
Man weiss schon lange, dass es im Darm und Kot Bakterien gibt, man konnte allerdings nur diejenigen nachweisen, die auch im Labor in einer Kulturschale wachsen können. Nun ist es, dank neuer genetischer DNA-Analysen, möglich, Bakterienstämme genau zu definieren und neue Erkenntnisse rücken die Relevanz der bakteriellen Vielfalt in den Mittelpunkt.
Wie kann einseitige Ernährung zu Entzündungen im Darm führen?
Unsere Darmflora bekommt das zu Essen, was wir auch essen. Die biochemische Aktivität der Darmflora ist sogar grösser als die der Leber! Jedoch ernährt sie sich vor allem von Ballaststoffen, diese findet man hauptsächlich in pflanzlichen Produkten. Ballaststoffe sind für uns Menschen unverdaulich. Früher dachte man, sie seien nur Ballast. Mittlerweile weiss man, Ballaststoffe sind die Nahrung für unsere Darmflora, ihre Lebensgrundlage sozusagen. Wenn man sich einseitig ernährt, dann verarmen die Darmbakterien und die Vielfalt nimmt ab. Wir haben somit weniger Arten von Bakterien.

Dr. Ayla Behar
Dr. Ayla Behar


Wenn Ballaststoffe fehlen, gibt es einige Arten von Bakterien, die aus der "Hungersnot" heraus anfangen eine neue Nahrungsquelle zu suchen und da sie in der Darmschleimhaut leben, bedienen sie sich als erstes der Stoffe in genau dieser Schleimhaut. Sie müssen dafür ihren Stoffwechsel umstellen und neue Enzyme einschalten, die dann beginnen statt Pflanzenteile den Darmschleim zu verstoffwechseln. Somit kommt es zu Löchern im Darmschleim und das wiederum führt zu direktem Kontakt zwischen Bakterien und Körper, was Entzündungen zur Folge hat.
Von der Vielfalt und besetzten Nischen
Die verschiedenen Arten, deren Vielfalt und Zusammenleben kann man sich wie eine Sukzession im Regenwald vorstellen: Wenn neu besiedelt wird, gibt es zuerst Pionier-Pflanzen, dann kommen später Büsche dazu und dann erst Bäume. Bei uns im Darm kann man sich das so ähnlich vorstellen. Diese Lebewesen hängen alle voneinander ab und die jenigen, die gut zu uns passen, helfen uns auch, gesund zu bleiben und das wiederum bringt uns einen Vorteil in der Evolution. Es gibt also ein bewährtes Team von hunderten Bakterien mit denen wir in Symbiose leben.
Es kann natürlich auch ein Newcomer antreten und mitmischen wollen, da sehen wir schon die erste Aufgabe der Bakterien: Das sind unsere Bodyguards, die schützen uns. Die guten Bakterien im Darm besetzen die Nische und wenn ein Durchfallkeim kommt, sagen die: "Nee, hier ist schon besetzt. Du hast überhaupt keinen Platz." Dann ist es für den neuen Keim sehr schwer, sich da zu etablieren.
Was die Darmflora mag
Damit die uralte Partnerschaft zwischen Mensch und Bakterien nicht in ein Missverhältniss gerät, eine sogenannte Dysbiose, die uns krank machen kann, dürfen wir darauf achten, dass wir unseren "Bakterien-Urwald gut füttern": Vor allem pflanzlich und viefältig ist hier die Devise. So wenig Fertigprodukte, Junkfood und tierische Kost wie möglich, und dafür bunt, frisch und vollwertig!
P.S.: Darmkrebsvorsorge ab 50

Dr. Ayla Behar